Archiv des Autors: Benjamin Bark

Internationaler Abend: Indien Land der Gegensätze

Diese Woche hat unser Vorstandsmitglied Paula Röver uns bei einer Veranstaltung in der Genossenschaft von ihrem umweltpolitischen Freiwilligendienst in Indien berichtet. Wir finden, dass ein solcher Freiwilligendienst eine tolle Möglichkeit für junge Menschen ist, die Welt kennenzulernen und sich politisch zu engagieren. Wenn ihr auch Interesse an einem solchen Dienst habt, schaut doch mal bei den Angeboten von Weltwärts vorbei!

Hier dokumentieren wir einen Bericht Paulas, den sie nach der Rückkehr aus Indien verfasst hat:

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Freundinnen und Freunde,

seit anderthalb Monaten bin ich jetzt schon wieder in Deutschland, auch wenn es sich viel kürzer anfühlt und wie versprochen wollte ich mich noch ein letztes Mal melden.

Ich blicke auf ein unglaubliches Jahr zurück, voller Abenteuer und neuer Erfahrungen. Nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel in so kurzer Zeit gelernt, über mich, die Welt, Indien, Deutschland. Ich bin an dem letzten Jahr unglaublich gewachsen, Indien hat mir so viel gegeben, aber trotz der Tatsache, dass ich mich verändert habe, bin ich im Grunde doch die Person geblieben, die ich davor war (zumindest, wenn ich den Menschen in meinem Umfeld glauben schenken darf).

Wie ihr in meinen Mails sicher mitbekommen habt, hatte ich mich Hals über Kopf in Indien verliebt gehabt und diese Liebe hat sich bis zum Ende gehalten. Ich bin mir bis heute nicht sicher, was die Magie des Landes ausmacht, ob es der unglaubliche Facettenreichtum ist (bisher habe ich kein Land gesehen, in denen Kontraste so offensichtlich zu sehen waren), oder das Leben, das man überall spüren konnte, ob das Chaos oder die Menschen, die mich so oft so herzlich aufgenommen haben.

Doch trotz dessen habe ich in Indien mein Leben ganz neu zu schätzen gelernt und Alltäglichkeiten, die für mich in Deutschland normal sind, mit anderen Augen zu betrachten gelernt. Wie habe ich mich über meine warme Dusche, die immer Wasser hat, gefreut, über den funktionierenden Kühlschrank, mein Zimmer ohne Ameisen (natürlich gibt es sowas auch alles in Indien, aber dann doch eher in einer gehobeneren Bevölkerungsschicht – Urlaub bei meinen Freundinnen war für mich in Indien immer ein kleiner Luxus). Und das sind nur die oberflächlichen Dinge. Es gibt wahrscheinlich zwei Dinge, die ich zudem wohl am meisten zu schätzen gelernt habe. Zum einen war das meine Freiheit. Besonders aufgefallen ist mir das immer und immer wieder beim Thema Heirat, da es für mich und meine Freundinnen in unserem Alter eines der zentralen Themen war. Es tat mir oft im Herzen weh, meinen Freundinnen zuzuhören, die ein Leben führen wie ich, aber die wissen, dass sie spätestens in wenigen Jahren heiraten müssen und das ihr ganzes Leben ändern kann. Aber meine Freiheit habe ich in Deutschland auch, wenn ich mich frei entscheide, was ich studiere, mit wem ich abends ausgehe oder in welche Stadt ich ziehe, wo in Indien immer entweder die Familie oder die Gesellschaft mitzureden hat. Und zum anderen war es der deutsche Staat, so komisch das im ersten Moment klingt. Erst in Indien habe ich erfahren, wie toll es doch ist, ein funktionierendes System hinter sich zu haben, zum Beispiel in einer Notsituation einfach die Polizei anrufen zu können und dabei nicht zweimal überlegen zu müssen, ob die nicht noch schlimmer ist. Auch wenn das Vertrauen in unsere Politik, gerade im Osten, derzeit vielleicht nicht hoch ist und viel geschimpft wird, es gibt wenigstens Menschen, die sich engagieren und ich kenne viele, die auch in die Politik vertrauen. Aber in Indien ist Politik komplett abgeschrieben, wird in Ganzem als korrupt abgestempelt, wodurch sich ein Teufelskreis auftut, da sich keiner engagiert und nur der gleiche Typ Mensch nachwächst. Die Abwesenheit von Politik hat mir im letzten Jahr mit am meisten gefehlt, auf eine Demonstration zu gehen oder eine politische Bildungsveranstaltung zu besuchen. Selbst unsere Arbeit im CEE war sehr unpolitisch und immer nach der Regierung gerichtet.

Insofern bin ich auch froh, wieder in Deutschland zu sein, auch wenn der Kulturschock bei der Heimreise um einiges größer war als bei der Hinreise. Zurück ins ordentliche, leise, geordnete, unaufgeregte Deutschland zu kommen, irgendjemand hat mir das gut beschrieben indem er meinte, das sei wie aus Freiheit zurück in ein eng gestricktes Netz zu kommen, in dem man sich nur eingeschränkt bewegen kann. Aber ich habe mich wieder gut eingelebt und es war toll, viele Menschen nach einem Jahr wiederzusehen. Trotzdem vermisse ich mein Indien, das mir eine zweite Heimat geworden ist, und ganz besonders fehlen mir meine Freundinnen und der Chai.

Für mich geht es Ende der Woche nach Dresden, wo ich an der TU anfangen werde, Maschinenbau zu studieren.

Einen Bollywood-Filmklassiker-Tipp möchte ich euch noch geben, der einem auf unterhaltsame Weise Indien näher bringt, schaut unbedingt „3 Idiots“ (gibt’s auf deutsch bei Youtube). Meine FreundInnen in Indien haben mir den am Anfang alle ans Herz gelegt und jetzt gebe ich euch den Tipp weiter.

Wer noch mehr über mein Jahr in Indien hören möchte, noch mehr Photos sehen will, der kann sich gerne bei mir melden

Liebe Grüße,
Paula

Israel-Palästina-Austausch der Jusos Sachsen und Thüringen 2017 – Bewerbt Euch jetzt!

Liebe Jungsozialistinnen und Jungsozialisten,

die Jusos Sachsen haben bereits in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Austauschprojekte mit unseren Partnerorganisationen in Israel und Palästina durchgeführt. An diese Tradition wollen wir 2017 wieder anknüpfen. Diesmal werden wir eine Delegationsreise gemeinsam mit den Jusos Thüringen unternehmen, die voraussichtlich im Zeitraum zwischen dem 26.03. und dem 02.04.2017 stattfinden wird. Du kannst dich ab sofort um einen der sächsischen Plätze im Austauschprojekt mit dem Willy-Brandt-Center Jerusalem im Jahr 2017 bewerben. Bitte formuliert dazu ein maximal 1-Seitiges Motivationsschreiben und sendet dieses bis spätestens zum 15.01.2017 an info@jusos-sachsen.de.

Kriterien für die Teilnahme am Projekt sind folgende:

Wir suchen Dich, …
… falls Du Interesse an aktiver internationaler Arbeit mit Jusos hast und Du den Grundsatz der „doppelten Solidarität“ mit den Menschen in Israel und Palästina als Grundkonsens teilst;
… falls Du Zeit hast, den kompletten Austausch, also die Delegationsreise nach Israel/Palästina und den Rückaustausch in Sachsen und Thüringen aktiv mitzugestalten und vorher mit vorzubereiten;
… falls du dich aktiv an mindestens zwei Vorbereitungs- und mindestens einer Nachbereitungsveranstaltung beteiligen willst und dich inhaltlich einbringen möchtest;
… falls Du Dich selbstständig auf Englisch verständigen kannst;
… falls Du unter 26 Jahren alt bist und die voraussichtlich ca. 450 Euro Teilnahmegebühr bis Februar aufbringen kannst;
… falls du weitere eventuell anfallende Kosten tragen kannst (z.B. für Reiserücktrittsversicherung, Auslandskrankenversicherung, Reisepass). Außerdem musst du evtl. vor oder nach der Reise einen neuen Reisepass beantragen, da mit Stempeln aus Israel/Palästina im Pass in bestimmte Länder nicht mehr eingereist werden kann und der Reisepass ab der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein muss.

Beachte bitte auch, dass die Sicherheitslage im Nahen Osten eine andere ist, als in Deutschland. Bitte informiere dich daher auch auf den Seiten des Auswärtigen Amtes:

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/IsraelSicherheit.html

Wir wollen …
… mit Dir beide Begegnungsparts gemeinsam im Detail vorbereiten und durchführen;
… uns tiefgründig mit dem Nahost-Konflikt beschäftigen, uns dazu gegenseitig weiterbilden und uns letztendlich vor Ort einen eigenen Eindruck verschaffen;
… danach gemeinsam mit unseren Gästen eine lehr- und abwechslungsreiche Woche in Sachsen und Thüringen gestalten;
… mit Dir eine bunte Gruppe von 15 teilnehmenden Jusos (quotiert) aus Sachsen und Thüringen bilden.

Interesse geweckt?

Wir freuen uns auf dein Motivationsschreiben – ob du teilnehmen wirst, erfährst du Mitte/Ende Januar. Entscheiden über die Bewerbungen wird der Landesvorstand gemeinsam mit dem Organisationsteam bestehend aus Christina März, Lena Jury und Benjamin Bark.

Mit internationalistischen Grüßen
Euer Benjamin.

Bei weiteren Fragen wendet euch gern an das Organisationsteam:
Benjamin Bark (benjamin.bark@jusos-dresden.de)
Christina März (maerz.christina@t-online.de)
Lena Jury (lenajury@aol.com)

Sophie Koch, neue Vorsitzende der Jusos Dresden: „SPD Stadtratsfraktion muss sich geschlossen als Teil der linken Gestaltungsmehrheit sehen“ +++ Klare Kante gegen rechte Gewalt und Hetze in Dresden wichtiger denn je

Am vergangenen Freitagabend haben die Dresdner Jungsozialist*innen auf ihrer Vollversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Neue Vorsitzende ist die 23-jährige Politikstudentin Sophie Koch. Mit ihr gibt es einen Wechsel an der Spitze der Dresdner Jusos, deren langjähriger Vorsitzender Stefan Engel nach fünf Jahren Engagement nicht noch einmal angetreten ist. Als stellvertretender Vorsitzender wurde der 27-jährige Jurist Benjamin Bark gewählt. Den insgesamt achtköpfigen Vorstand komplettieren Paula Röver, Paolo Le Van, Georg Opitz, Marina Chernykh, Jonas Steidle und Nathalie Schmidt.

Mit Hinblick auf die jüngste Stadtratsentscheidung gegen das Projekt Elixir kündigt Sophie Koch an: „Wir werden unsere Stadträte in die Pflicht nehmen und daran erinnern, dass auch sie Teil einer linken Gestaltungsmehrheit sind. Der Fraktionsvorsitzende Christian Avenarius und Teile der Fraktion haben nicht nur die Chance vergeben, ein Projekt zu fördern, das Integration und Weltoffenheit lebt. Sie haben auch die Beschlüsse unserer Partei ignoriert. Wir Jusos sind nicht nur zum Plakatieren da und die Beschlüsse der Dresdner SPD nicht für den Papierkorb.“

Für die Jusos Dresden ist außerdem klar, dass eine klare Kante gegen rechte Gewalt und Hetze in Dresden wichtiger ist denn je.
„Es reicht leider nicht, sich per Unterschrift auf Selbstverständlichkeiten eines toleranten und demokratischen Miteinanders zu einigen und mit aktionistischen Symbolen zu garnieren. Wer von einer offenen und toleranten Gesellschaft spricht, muss sie in den Alltag und in den öffentlichen Raum tragen und dort verteidigen. Dafür braucht es einen nachhaltigen Schulterschluss von Institutionen und Zivilgesellschaft“, ergänzt die Juso-Chefin.

Auf ihrer Vollversammlung beschlossen die Jusos zudem ihr neues Arbeitsprogramm für das kommende Jahr. Einen besonderen Schwerpunkt bilden darin die politische Beteiligung für junge Menschen in Dresden sowie der Kampf für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Daneben verabschiedeten die Jusos auch zwei Anträge, nach denen sich der Freistaat Sachsen nicht an den Abschiebungen nach Afghanistan beteiligen soll und die Stadt Dresden Jugendberufsagenturen aufbauen soll.

Die Jusos Dresden sind als Jugendorganisation der SPD mit etwa 370 Mitgliedern der größte politische Jugendverband in der Landeshauptstadt.

Kostenposten Wissenschaft – Was der neue Haushalt für die Hochschulen bereit hält

Diese Woche wird der Doppelhaushalt 2015/16 beschlossen. Sonderlich spannend lesen sich Haushaltsdokumente von mehreren hundert Seiten selten. Deshalb haben wir uns für den Bereich Wissenschaft eine Zusammenfassung im Landtag eingeholt. Aber was wären wir für eine Hochschulgruppe, wenn wir diese Zusammenfassung nicht noch einmal für Interessierte zusammenfassten.

Der Doppelhaushalt umfasst für 2015 und 2016 jeweils etwa 17,2 Mrd. Euro. Davon sind 5.278 Mio. bzw. 5.413 Mio. Euro für Bildung und Forschung vorgesehen. Das sind 30,8 bzw. 31,4 Prozent. Diese Zahlen sind im Allgemeinen so interessant wie im Konkreten informationsarm – abgesehen von der erfreulichen Feststellung, dass der Etat nicht sinkt.

Deshalb geben wir hier auch gern Infos zu verschiedenen Stichworten, die mit dem Haushalt in Verbindung stehen, weiter:

  1. Der Hochschulentwicklungsplan und die Stellenstreichungen

Mit dem Hochschulentwicklungsplan geht eine der wichtigsten hochschulpolitischen Neuausrichtungen einher: Der Stopp des Stellenabbaus an sächsischen Hochschulen. Wenn der sportliche Zeitplan zur Aushandlung von Ziel- und Zuschussvereinbarungen mit allen beteiligten zwischen Wissenschaft und Landesregierung bis Ende 2016 eingehalten wird, endet der Stellenabbau. Bis dahin werden leider noch 27 Stellen gestrichen, dafür sind etwa 750 Stellen von der ‚Streichungsliste‘ gestrichen. Für uns als Juso-Hochschulgruppen war die Stellensituation eines der wichtigsten Themen in den Koalitionsverhandlungen. Wir schätzen uns glücklich, dass die Schadensbegrenzung nach der Mitregierung der Zastrow‘schen Splitterpartei so frühzeitig ihre Wirkung entfaltet.

  1. Die Bafög-Millionen:

Seit diesem Jahr übernimmt der Bund die Bafög-Ausgaben komplett, womit die Länder um ihren Anteil von 35 Prozent entlastet werden (jährlich etwa 1,17 Mrd. Euro). Die frei werdenden Mittel in Sachsen (etwa 55 Mio.) fließen direkt in den Wissenschaftsbereich. So gehen u.a. 15 Mio. als Investitionen an die Hochschulen, 13 Mio. in das Programm ‚Talente für Sachsen‘, 5 Mio. in ein neues Tumorzentrum sowie 10 Mio. an die Medizin-Standorte.

  1. Die Mensa-Sanierung:

Im neuen Haushalt wurden 5 Mio. für die Sanierung der Neuen Mensa vorgesehen. Zwischenzeitlich sollte das Studentenwerk für die Sanierung aufkommen – diese unsinnige Idee konnte glücklicherweise schnell vom Tisch geräumt werden. Dadurch kann die Sanierung schnell starten, ohne ein langwieriges hin und her zwischen den Finanztöpfen.

  1. Sonstiges:
  • An der EHS wird für 250.000 Euro der Studiengang ‚Pflege‘ eingerichtet.
  • Mit dem Programm „Gute Arbeit an den Hochschulen“ kommen endlich Mindestvertragslaufzeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs (für SHKs 3 Monate, für WHKs 6 Monate).
  • Und Sachsen rangiert in Sachen Hochschulinvestitionen an bundesweiter Spitzenstelle.

Nach vorangegangenen Erfolgsmeldungen schließt die Agitprop-Abteilung der JHG ihre Schreibstube.

Aber Eines noch im Ernst: Wir werden versuchen, das Thema Hochschulpolitik über die nächsten Jahre weiterhin zu verfolgen und dabei genau auf die Einhaltung der umfangreichen Ankündigungen achten. Bitte tut das auch! Schließlich heißt es auch für diesen Bereich zur nächsten Landtagswahl: Bilanz ziehen und Wahlentscheidung fällen.

COUPEZ – zeitgenössische Filme zu politischen Themen

Politische Bildung kann so einfach sein – mit einem guten Drehbuch. Ab diesem Semester präsentieren wir in Kooperation mit dem Kino im Kasten (KiK) jeden Monat einen Film, den wir nach einem hochkomplexen Auswahlverfahren als politisch relevant und gleichermaßen unterhaltsam eingestuft und somit als geeignet empfunden haben. (Zugegebenermaßen spielte auch die Bezahlbarkeit der Filmrechte eine Rolle.)

Ab dem 16.04. könnt ihr euch jedenfalls auf großes Kino gefasst machen. Den Auftakt macht ‚Milk‘, das biografische Drama über den kalifornischen Bürgerrechtler der Schwulen- und Lesbenbewegung Harvey Milk den Auftakt.

Am 07.05. folgt mit ‚Welcome‘ ein mehrfach ausgezeichneter Spielfilm über illegale Immigranten in Frankreich. Am 11.06. läuft der Oscar-prämierte Klassiker ‚Network‘ und den Abschluss bilden ‚die kommenden Tage‘ am 09.07.

Alle Filme beginnen um 20.30 Uhr und werden im Original mit Untertitel aufgeführt.

kino vornkino rück

Auf einen Tee mit der Frauenbeauftragten der TU Dresden

Wenn man schönstes Frühlingswetter nur aus dem Fenster eines Uni-Büros wahrnimmt, sollte das einen guten Grund haben. Zum Glück saßen wir mit Frau Dr. Küllchen, der Frauenbeauftragten der TU, zusammen, die sich viel Zeit für einen Besuch durch die JHG nahm, ohne dabei genau zu wissen, weshalb wir uns bei ihr eingeladen haben.
Dazu verleitete uns das Interesse am gegenwärtigen Stand der Gleichstellung an der TU Dresden und die Frage, wo es Verbesserungen anzustreben gilt. Und so ließ sich unsere kleine, fünfköpfige Besuchsgruppe das breite Arbeits- und Themenspektrum einer Frauenbeauftragten erläutern.
Nach dem Einblick in ihre alltäglichen Aufgaben (allgemeine Frauenberatung, Konfliktlösung unter Mitarbeitern, Moderation von Kommunikationsproblemen zwischen verschiedenen Ebenen sowie Prävention von Rechtsstreiten und Mobbing), hätten wir uns gern der TU in Zahlen genähert. Da begannen die Schwierigkeiten: Es kursieren verschiedene Zahlen über die Professuren an der Uni (zwischen ca. 380 und 500). Ungeachtet der genauen Zahl existiert allerdings eine Zielquote von 22 Prozent bis 2020 in den W-Besoldungsgruppen. Im Moment liegt der Frauenanteil bei etwa 13 Prozent. (Weitere Daten und Zahlen im Gleichstellungskonzept 2014)
Mitnichten sind diese 13 Prozent – da die Bezahlung dem TVöD folgt – gleichgestellt. Bei den Verhandlungen um das Rahmenpaket (Mitarbeiter*innen, Sekretariatsausstattung, …) schneiden Frauen im Durchschnitt wesentlich schlechter ab. Und natürlich gibt es Gleichstellungsdefizite nicht nur bei den Professuren. Besonderer Nachholbedarf zeigt sich auch bei der familiengerechten Hochschule. Flexible Arbeitszeiten für Kinder oder Pflegefälle sind weitestgehend Kulanzabhängig und Schwangerschaften gelten noch immer als Herausforderung im Beschäftigungsverhältnis. Zudem fehlt jegliche Thematisierung sexualisierter Gewalt und Diskriminierung an der Uni, obwohl sie regelmäßig auftritt.
Insgesamt zeichnet sich dafür aber eine wachsende Problemsensibilität ab. Frauenförderung wird auch für Männer selbstverständlich, gegen bspw. sexistische Werbung wurde ein Leitfaden ‚Geschlechtergerecht in Sprache und Bild‘ entwickelt und die skeptische Einstellung vieler Frauen gegenüber Fördermaßnahmen schwindet.
Perspektivisch wünschenswert ist, abgesehen von der Umsetzung bisheriger Konzepte, die Einrichtung/verbesserte Ausstattung von Ruheräumen, eine Zusammenstellung aller Beratungs- und Förderungsangebote an der Uni und in Dresden insgesamt, eine Quote auch für die Gremienbesetzung und eine transparentere Evaluation des Ist-Zustands an der TU (vergleichbar mit dem Gender-Report der Uni Köln).
Die knapp eineinhalb Stunden bei Tee statt in der Sonne haben sich also gelohnt und als Leseempfehlung wurde uns noch Anke Domscheit-Bergs „Ein bisschen gleich ist nicht genug“ angetragen, was wir hier natürlich nicht unerwähnt lassen möchten. Dank an Frau Dr. Küllchen für ihre Zeit und Arbeit.