Archiv für den Monat: März 2015

Auf einen Tee mit der Frauenbeauftragten der TU Dresden

Wenn man schönstes Frühlingswetter nur aus dem Fenster eines Uni-Büros wahrnimmt, sollte das einen guten Grund haben. Zum Glück saßen wir mit Frau Dr. Küllchen, der Frauenbeauftragten der TU, zusammen, die sich viel Zeit für einen Besuch durch die JHG nahm, ohne dabei genau zu wissen, weshalb wir uns bei ihr eingeladen haben.
Dazu verleitete uns das Interesse am gegenwärtigen Stand der Gleichstellung an der TU Dresden und die Frage, wo es Verbesserungen anzustreben gilt. Und so ließ sich unsere kleine, fünfköpfige Besuchsgruppe das breite Arbeits- und Themenspektrum einer Frauenbeauftragten erläutern.
Nach dem Einblick in ihre alltäglichen Aufgaben (allgemeine Frauenberatung, Konfliktlösung unter Mitarbeitern, Moderation von Kommunikationsproblemen zwischen verschiedenen Ebenen sowie Prävention von Rechtsstreiten und Mobbing), hätten wir uns gern der TU in Zahlen genähert. Da begannen die Schwierigkeiten: Es kursieren verschiedene Zahlen über die Professuren an der Uni (zwischen ca. 380 und 500). Ungeachtet der genauen Zahl existiert allerdings eine Zielquote von 22 Prozent bis 2020 in den W-Besoldungsgruppen. Im Moment liegt der Frauenanteil bei etwa 13 Prozent. (Weitere Daten und Zahlen im Gleichstellungskonzept 2014)
Mitnichten sind diese 13 Prozent – da die Bezahlung dem TVöD folgt – gleichgestellt. Bei den Verhandlungen um das Rahmenpaket (Mitarbeiter*innen, Sekretariatsausstattung, …) schneiden Frauen im Durchschnitt wesentlich schlechter ab. Und natürlich gibt es Gleichstellungsdefizite nicht nur bei den Professuren. Besonderer Nachholbedarf zeigt sich auch bei der familiengerechten Hochschule. Flexible Arbeitszeiten für Kinder oder Pflegefälle sind weitestgehend Kulanzabhängig und Schwangerschaften gelten noch immer als Herausforderung im Beschäftigungsverhältnis. Zudem fehlt jegliche Thematisierung sexualisierter Gewalt und Diskriminierung an der Uni, obwohl sie regelmäßig auftritt.
Insgesamt zeichnet sich dafür aber eine wachsende Problemsensibilität ab. Frauenförderung wird auch für Männer selbstverständlich, gegen bspw. sexistische Werbung wurde ein Leitfaden ‚Geschlechtergerecht in Sprache und Bild‘ entwickelt und die skeptische Einstellung vieler Frauen gegenüber Fördermaßnahmen schwindet.
Perspektivisch wünschenswert ist, abgesehen von der Umsetzung bisheriger Konzepte, die Einrichtung/verbesserte Ausstattung von Ruheräumen, eine Zusammenstellung aller Beratungs- und Förderungsangebote an der Uni und in Dresden insgesamt, eine Quote auch für die Gremienbesetzung und eine transparentere Evaluation des Ist-Zustands an der TU (vergleichbar mit dem Gender-Report der Uni Köln).
Die knapp eineinhalb Stunden bei Tee statt in der Sonne haben sich also gelohnt und als Leseempfehlung wurde uns noch Anke Domscheit-Bergs „Ein bisschen gleich ist nicht genug“ angetragen, was wir hier natürlich nicht unerwähnt lassen möchten. Dank an Frau Dr. Küllchen für ihre Zeit und Arbeit.

Jusos bringen Wehner-Denkmal in Striesen in Ordnung

Wehner-Denkmal beschmiert

Vor der Reinigungsaktion hinterließ das Wehner-Denkmal keinen schönen Eindruck.

Seit mittlerweile 17 Jahren steht auf der Spenerstraße/ Ecke Kyffhäuserstraße in Striesen ein recht unauffälliges Denkmal zu Ehren des SPD-Politikers Herbert Wehner. An dieser Stelle befand sich bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Geburtshaus des langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag.

Vor einiger Zeit wurde das Denkmal umfassend mit Graffiti beschmiert. Die Inschrift war nur noch schwer erkennbar und die Erinnerungsstelle hinterließ alles andere als einen würdigen Eindruck. Die Dresdner Jusos haben diesen Zustand am vergangenen Sonntag in einem Arbeitseinsatz beseitigt und das Denkmal von Grund auf gereinigt.

Für den Dresdner Juso-Vorsitzenden Stefan Engel ist die Person Herbert Wehner etwas ganz Besonderes: „Kaum ein Mensch hat die wechselhafte Geschichte des 20. Jahrhunderts so verkörpert wie Herbert Wehner. Sein Leben war nicht frei von Widersprüchen, doch hat er wie kaum ein anderer die Bundespolitik der sechziger und siebziger Jahre geprägt. Ich würde mir wünschen, dass die Erinnerung an Herbert Wehner in seiner Geburtsstadt Dresden mehr Beachtung fände.“

Zum Hintergrund:

Das Herbert-Wehner-Denkmal an der Stelle des ehemaligen Geburtshauses Herbert Wehners wurde am 25. Juni 1998 enthüllt. Das Denkmal wurde auf Initiative der SPD-Stadtratsfraktion geschaffen, die einen entsprechenden Beschluss im Stadtrat bewirkte. Bei der feierlichen Enthüllung waren u.a. der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau, der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, der Dresdner Oberbürgermeister Herbert Wagner und Wehners Ehefrau, Greta Wehner, anwesend. Das Denkmal besteht aus drei Edelstahlplatten: Die obere zeichnet das markante Profil Wehners nach, die beiden unteren enthalten seine Lebensdaten und ein durchaus visionäres Zitat aus seiner Zeit als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche Fragen (1964):

„Die Humanität wird stärker sein als Schießbefehle und Minengürtel, wenn sie sich entfalten kann. Wiedervereinigung in gesicherter Freiheit wird letzten Endes abhängig sein von dem Grade, in dem das Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn auch zunächst schritt- und stückweise, sich geltend macht.“

(K)ein Ort der Vielfalt? – CSD-Absage wäre ein Armutszeugnis für Dresden

CSD 2015Die Jusos Dresden und die Arbeitsgemeinschaft Lesben und Schwule in der SPD Dresden (Schwusos) reagieren mit Unverständnis auf die Ankündigung der Dresdner Stadtverwaltung, den Christopher Street Day in diesem Jahr wegen angeblicher Lärmbelästigung nicht auf dem Altmarkt starten lassen zu wollen. Nun hat der CSD e.V. der Stadt ein bis Montag laufendes Ultimatum gesetzt, um doch noch eine Lösung zu finden.

Für den Vorsitzenden der Dresdner Schwusos, Marc Dietzschkau, wäre eine Absage ein Armutszeugnis: „Nachdem sich Dresden in den vergangenen Monaten nicht unbedingt als Ort der Toleranz und Vielfalt präsentiert hat, könnte der CSD ein gelungenes Gegenbeispiel setzen. Doch wieder einmal zeigt sich die Dresdner Verwaltung von ihrer engstirnigen Seite. Anstatt Engagement für ein buntes Dresden zu fördern, werden Steine in den Weg gelegt. Dass sich der CSD-Verein das nicht bieten lassen will, kann ich gut verstehen. Die Posse um Regenbogenflaggen vor dem Dresdner Rathaus im Jahr 2012 ist noch in böser Erinnerung.“

Der Vorsitzende der Dresdner Jusos, Stefan Engel, sieht nun Dirk Hilbert in der Pflicht: „Nun muss der amtierende Oberbürgermeister zeigen, ob er für ein offenes Dresden steht oder ob er kleingeistigen Verwaltungsargumenten eine höhere Priorität einräumt. Die Cockerwiese ist sicherlich kein geeigneter Platz. Das Label „Ort der Vielfalt“ darf nicht nur ein Aushängeschild sein, sondern muss auch mit Leben gefüllt werden. Nicht zuletzt muss man sich fragen, warum vor einem Jahr gegebene Zusagen kurz nach Orosz‘ Ausscheiden keine Gültigkeit mehr haben.“ Damals hat Ex-OB Orosz zugesichert, der CSD gehöre auf den Altmarkt.

 

[24.3.] Veranstaltung zum lebenslangen Lernen in Europa und der Kommune

Bei unserem Mitgliedertreffen am kommenden Dienstag (24.3.) wollen wir uns diesmal mit dem Thema „Lebenslanges Lernen in Europa und der Kommune“ beschäftigen. Gerade für Dresden hat dieses Thema eine wachsende Bedeutung – denn Bildung muss nicht zwangsläufig mit Mitte 20 enden. Nicht zuletzt bietet auch die internationale Vernetzung von Bildung trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren noch große Potenziale. Start der Veranstaltung ist um 19 Uhr in der Genossenschaft (Prießnitzstr. 20).

Paul Fietz, der selbst Bidungswissenschaften studiert wird uns zum Thema einen Input geben und danach wollen wir vor allem diskutieren. Zugleich wollen wir das Treffen auch nutzen, um auszuloten, ob es bei den Jusos noch weitere InteressentInnen für eine Wiederbelebung der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD Dresden gibt.

Interessierte und Neumitglieder sind natürlich besonders gerne gesehen!

Deine Unterschrift für Eva-Maria Stange!

Unterschrift EMS Du
Am kommenden Dienstag (17. März) ruft die Wählerinitiative „Gemeinsam für Dresden“ dazu auf, gemeinsam für die Kandidatur von Eva-Maria Stange als Oberbürgermeisterin zu unterschreiben. Dazu treffen wir uns am Dienstag, den um 17 Uhr vor dem Ortsamt Altstadt (Theaterstraße 11-13). Die 240 Unterstützungsunterschriften sind notwendig, da Eva-Maria Stange nicht als Parteikandidatin, sondern als Kandidatin eines übergreifenden Wählerbündnisses antritt.

Wichtig: Personalausweis mitbringen!

Der Wahlvorschlag „Gemeinsam für Dresden“ kann unterstützt werden, wenn Du
– mindestens 18 Jahre alt bist
– seit 3 Monaten ihren Hauptwohnsitz in der Landeshauptstadt Dresden hast
– die deutsche oder eine
EU-Staatsbürgerschaft hast

Natürlich kann auch zu anderen Zeiten die Unterstützungsunterschrift geleistet werden.

CDU und Pegida: Kalte Füße statt kühler Kopf?

Die Jusos Dresden beglückwünschen die CDU zu ihrer Kontaktaufnahme mit dem Scharnier zum ‚Volk‘, so die Selbstbezeichnung der verwirrten Kontaktgruppe zum Rechtsradikalen Lutz Bachmann. Lange Zeit musste die CDU keine politischen Inhalte vermitteln, um den Wahlsegen regentschaftshöriger Sachsen zu erhalten. Die neue Herausforderung („Systemfrage“, Lars Rohwer) nimmt sie positiv auf und schafft es, wenn auch nur im Interesse der nahenden Oberbürgermeisterwahl, sich wieder ins ‚rechte Licht‘ zu rücken [1].

Stefan Engel dazu: „Bei den winterlichen Spaziergängen einiger ihrer Mitglieder, hat die CDU offensichtlich kalte Füße bekommen. Anders können wir uns das plötzliche Interesse für politisch irritierte Kleinstgruppen, wie den ‚Dialog-2015‘, kaum erklären.“

Dem ‚Dialog-2015‘ danken die Jusos für seine Fragen [2]. Erst durch sie konkretisieren sich die „diffusen Ängste“. Besonders die frühindustrielle Sorge um die Ersetzbarkeit des eigenen Arbeitsplatzes durch Maschinen (Frage 8) verlor seit dem Ende des Kaiserreichs jede politische Aufmerksamkeit.

Bedauern drücken die Jusos jenen Pegida-Anhängern aus, die ihr „Schicksal auf Gedeih und Verderb in die Hände [gewählter Volksvertreter] gelegt“ [3] haben, da sie anscheinend in den letzten 25 Jahren noch keine Praxiserfahrung mit der Demokratie sammeln konnten. Zu ihrer Info wird nochmal auf die regelmäßige Möglichkeit zur Wieder- und Abwahl von Politikern verwiesen.

Eine Frage lässt Stefan Engel immer noch ratlos zurück: „Wenn es die Gruppe Dialog-2015 verwundert, dass Politik von Macht „unterwandert“ ist, wüssten wir doch gern, weshalb sie sich nun ausgerechnet an jene Volksvertreter wendet, die Politik ausschließlich für den eigenen Machterhalt gebraucht.“

[1] SZ, S. 3, 09. März 2015 „Wir fahren nach Berlin“
[2] www.dialog-2015.de/umfrage/
[3] www.dialog-2015.de

— Wer in diesem Beitrag Ironie findet, darf sie behalten —